Oberschicht in Malaysia (Mirjam Karrer)
Die Oberschicht in Malaysia ist internationalisiert.
Ein Gespräch mit Shaun Tan
Ausland. Wie war denn das Studentenleben? Bevor ich nach London zog, besuchte ich ein abgeschiedenes Internat in England. Das war ziemlich langweilig. Aber während der Zeit auf dem King’s College gab es viele Studentenpartys. Die besten waren jene, die von asiatischen Verbänden organisiert wurden. Das liegt wohl daran, dass sie am meisten Geld zur Verfügung hatten und so die angesagtesten Clubs mieten konnten. Sehen Sie Unterschiede zwischen den Eliten in westlichen Ländern und denen in Malaysia? Die Gemeinsamkeiten überwiegen. Ich habe acht Jahre meines Lebens im Ausland verbracht und Leute aus der ganzen Welt getroffen, die vieles mit mir teilen: Wir kommen aus wohlhabenden Familien, haben einen hohen Bildungsgrad und sind kosmopolitisch veranlagt. Mich verbindet mit diesen Leuten mehr als mit einem Malaysier, der auf dem Land aufgewachsen ist oder im Slum lebt. Ich glaube, das ist ein Thema, mit dem sich viele in meiner Position auseinandersetzten müssen: Identifizierst du dich stärker mit deinen Landsleuten oder eher mit denjenigen, die dieser transnationalen Oberschicht angehören? Wer ist die politische Elite in Malaysia? Die Regierungspartei UMNO ist sehr dominant. Sie repräsentiert die drei ethnischen Gruppen Malaysias: Malaien, Chinesen und Inder. Malaiische Politiker verstehen die Malaien als das ursprüngliche Volk des Landes. Deswegen beanspruchen sie eine führende politische Stellung und sind stärker in der Regierung repräsentiert. Die UMNO ist seit der Unabhängigkeit 1957 ununterbrochen an der Macht. Mittlerweile hat sich aber auch eine starke Opposition herausgebildet. Die richtig Reichen haben bestimmte Verbindungen zur Regierungspartei. Wer sind diese Superreichen? Sie haben eher einen chinesischen statt einen malaiischen oder indischen Hintergrund. Ich denke, das liegt hauptsächlich daran, dass Chinesen härter arbeiten und stärker businessorientiert sind als die anderen Gruppen. Die Machtfrage hat also auch eine ethnische Dimension. Auch wenn es in Malaysia Gesetzte gibt, die Nicht-Malaien diskriminieren, arbeiten die politische Elite der Malaien und chinesische Malaysier im wirtschaftlichen Bereich eng zusammen. Chinesische Tycoons bestechen Politiker, sodass Gesetze zu ihren Gunsten verfasst werden. Wodurch unterscheiden sich diese beiden Eliten? Es gibt kaum Unterschiede. Viele reiche Chinesen pflegen eine fast symbiotische Beziehung mit einflussreichen Malaien. Einige malaiische Politiker denken zwar, es wäre nützlich für sie, sich als Gruppe abzugrenzen. Aber im Endeffekt verbringen sie alle ihre Freizeit in denselben Bars und Clubs. Erschienen in KULTURAUSTAUSCH, Ausgabe 1/2015: Eliten dabei stehen